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Aktuelle Meldung vom 23.03.2025
Ein drei Stunden währendes Wellenbad der Gefühle durchlebte Tischtennis-Zweitligist TTC Fortuna Passau an einem denkwürdigen Sonntagnachmittag gegen den Rangachten TTC Hohenstein-Ernstthal (10:20). Bereits aussichtslos mit 0:5 lagen Yuki Matsuyama und Co. gegen die furios auftrumpfenden Carl-May-Städter in Rückstand, ehedem die Niederbayern an ihrem eigenen Drehbuch schrieben und zur großen Aufholjagd bliesen. Mit fünf Zählern in Serie holten sie unter dem langanhaltenden Szenenapplaus der wieder einmal zahlreich erschienenen Zuschauer doch noch ein 5:5 Unentschieden und schafften damit am vorletzten Spieltag mit nunmehr 21:13 Zählern sogar den Sprung auf Tabellenrang 2.
Einen klassischen Fehlstart legten die Fortunen in den beiden Auftaktdoppeln hin. Zuviel an Magerkost gab es dabei vom sonst so erfolgsverwöhnten schweizerisch-irischen Duo Elia Schmid/Owen Cathcart gegen das bärenstark zu Werke gehende Sachsen-Duett Carlos Mühlbach/Johann Koschmieder. Einen Kampf auf Biegen und Brechen lieferten sich zeitgleich Yuki Matsuyama und Viktor Yefimov mit dem Taiwanesen Hsing-Yang Li und Karl Zimmermann. Mit dem knappsten aller denkbaren Ergebnisse ging auch dieser Zähler prompt an die Gäste, die folglich auf 2:0 davonzogen und die Passauer Schockstarre in den drei Anschlusseinzeln gnadenlos zu ihren Gunsten auszunutzen wussten.
Nach schneller 2:0-Führung bereits wie der sichere Sieger sah der ukrainische Teamkapitän Yefimov im Duell mit dem wieselflinken Li, einem der bilanzstärksten Akteure im nationalen Unterhaus, aus. Der Asiate drehte aber noch einmal gewaltig auf und entriss Passaus Nummer 2 doch noch den sicher geglaubten Erfolg. Vor unerwartet große Probleme wurde Nippon-Ass Matsuyama mit dem unorthodoxen Defensivspiel des Deutsch-Kolumbianers Carlos Mühlbach gestellt. Der mit allen Wassern gewaschene Taktikfuchs Mühlbach ließ im Entscheidungssatz nichts mehr anbrennen und sorgte damit zum Pausentee für die vermeintliche Vorentscheidung in einer bislang sehr einseitig verlaufenen Partie.
Gänzlich ohne Fortune agierte im Anschlusseinzel der irische Nationalspieler Cathcart gegen den traumwandlerisch sicher zu Werke gehenden Zimmermann und das Unheil nahm mit dem schnellen 0:5 weiterhin seinen Lauf. Ein kleiner Lichtstreif am dunklen Horizont war daraufhin der beherzte Auftritt des Eidgenossen Schmid, welcher mit einem souveränen 3:0-Erfolg gegen Koschmieder nicht nur die Höchststrafe zu verhindern wusste, sondern auch noch eine 90-minütige Aufholjagd einläutete, welche den Passauer Hexenkessel in ein wahres Tollhaus verwandeln sollte.
Den Reigen eröffnete dabei der japanische Ausnahmekönner Matsuyama mit einer 3:0-Galavorstellung im Spitzeneinzel des Tages gegen den keineswegs enttäuschenden Taiwanesen Li. Wie für das Lehrbuch geschrieben war auch der sehr überzeugende Auftritt von Teamkapitän Yefimov gegen Materialspieler Mühlbach. Mit einer taktischen Meisterleistung und einem wahren Ball-Staccato verkürzte der ehemalige ukrainische Nationalspieler nicht nur auf 3:5, sondern nährte damit auch Passaus Hoffnungen auf ein Remis und dem daraus möglichen Sprung auf Tabellenrang 2.
Abermals wie ein Schweizer Uhrwerk und als die Zuverlässigkeit in Person präsentierte sich der Wahl-Züricher Schmid im Duell mit Zimmermann. In einer hochklassigen Partie schenkten sich beide Akteure aber auch wirklich gar nichts, schlußendlich setzte sich das ausgeklügelte Blockspiel des ehemaligen schweizerischen Einzelmeisters durch. Die Mehrfachhalle in der Neuburger Straße stand nun völlig Kopf. „Jeder Schuss ein Treffer“ hieß es im finalen Einzel beim irischen Kleeblatt Cathcart gegen Gästespieler Koschmieder: 11:3, 11:1, 11:1 – lediglich fünf Punkte gestattete Passaus Nummer 4 dem mehrmaligen sächsischen Meister und sorgte damit in einem denkwürdigen und geschichtsträchtigen Spiel für den vielumjubelten 5:5-Ausgleich.
Ein positives Resümee zog der bestens gelaunte TTC-Sportwart Walter Reichert: „Wir sind heute auferstanden wie Phönix aus der Asche. Kompliment an unser Team, welches sich zu keinem Zeitpunkt hat hängen lassen und abermals große Moral an den Tag gelegt hat. Die Mentalität war wie auch schon in Mainz herausragend. Wir haben die Doppelaufstellung dieses Mal sehr schlecht getroffen und sind diesem schnellen Rückstand lange Zeit nachgelaufen. Hohenstein-Ernstthal war wieder einmal der erwartet unangenehme Gegner, der uns das Leben richtig schwer gemacht hat. Wir freuen uns jetzt auf das Endspiel gegen den designierten Zweitliga-Meister TV Hilpoltstein.“
Am Sonntag (13. April, 14 Uhr) empfangen die Fortunen im letzten Saisonspiel den mittelfränkischen Dauerrivalen und aktuellen Tabellenführer TV Hilpoltstein (24:6) zum großen bayerischen Traditions-Derby in der Dreiflüssestadt. Gegen die Burgstädter zum letzten Mal das Fortuna-Dress überstreifen werden sich dann der japanische Ausnahmekönner Matsuyama sowie der Ire Cathcart, welche beide der Dreiflüssestadt nach leider nur einjähriger Spielzeit jeweils mit unbekanntem Ziel den Rücken kehren werden.
TTC Fortuna Passau – TTC Hohenstein-Ernstthal 5:5
Schmid/Cathcart – Mühlbach/Koschmieder 8:11, 5:11, 10:12
Matsuyama/Yefimov – Li/Zimmermann 14:12, 3:11, 11:7, 5:11, 9:11
Matsuyama – Mühlbach 7:11, 9:11, 13:11, 11:3, 3:11
Yefimov – Li 11:7, 15:13, 6:11, 4:11, 8:11
Schmid – Koschmieder 11:7, 11:4, 11:8
Cathcart – Zimmermann 6:11, 5:11, 7:11
Matsuyama – Li 11:8, 12:10, 11:6
Yefimov – Mühlbach 11:6, 4:11, 11:5, 11:5
Schmid – Zimmermann 12:10, 13:11, 11:6
Cathcart – Koschmieder 11:3, 11:1, 11:1
Manfred Hirschenauer