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Aktuelle Meldung vom 28.09.2019
Klar verloren, aber keineswegs enttäuscht haben die Tischtennisspieler des TTC Fortuna Passau bei der 1:6-Niederlage gegen den absoluten Meisterschaftsfavoriten TTC OE Bad Homburg. Die Gäste haben ihren letztjährigen Spitzenspieler Rares Sipos behalten und sich mit drei äußerst guten Akteuren verstärkt, so dass die Rollenverteilung in dieser Spitzenbegegnung klar war. Die Fortunen kämpften bis zum Umfallen und kamen oftmals in den knappen Spielbereich. Schlußendlich erwiesen sich die Hessen in den brenzligen Situationen aber als gewiefter und abgebrühter und nahmen absolut verdient die beiden Zähler aus der Dreiflüssestadt mit.
Volles Risiko ging das Trainergespann Davor Vejnovic und Stefan Weikert in den Eingangsdoppeln und wählte die offensive Doppelvariante gegen den Meisterschaftsaspiranten. Das bisher ungeschlagene Duo Grebnev/Kolarek wurde daher, sehr zur Freude der 140 Zuschauer, an Position Eins gesetzt. Die Hessen taktierten auch nicht lange und fuhren mit Lev Katsman und Samuel Kulczycki ebenfalls ihre stärkste Paarung im Spitzendoppel auf. Eine solche Konstellation gab es noch nie in der Fortuna-Halle. Grebnev und Katsman, beide 17 Jahre alt, spielen seit Jahren im Doppel für die russische Nationalmannschaft und sind beide aktuelle Junioren-Doppelvizeweltmeister, traten nun gegeneinander an. Die Partie hielt alles, was sie vorher versprach - sehr zum Leidwesen des Passauer Trainergespannes. Die Bad Homburger drehten vor allem am Ende der drei Sätze gewaltig auf und siegten verdient gegen die nicht enttäuschenden Passauer. Das zweite Passauer Doppel, Juzbasic/Folwarski, hatte nach ansprechender Leistung ebenfalls knapp in vier Sätzen das Nachsehen gegen Rares Sipos und Ersatzmann Nils Hohmeier. Der Aufstellungspoker war somit leider nach hinten losgegangen.
Nichtsdestotrotz ließen die Fortunen die Köpfe nicht hängen, obwohl nach den beiden Doppeln bereits eine erste kleine Vorentscheidung gefallen war. Die Hessen fackelten nicht lange und nutzten das für sie günstige Momentum gnadenlos aus. Der junge Rumäne Rares Sipos, die aktuelle Nr. 4 in der U21-Europarangliste, zeigte sich gegen Maksim Grebnev von seiner besten Seite und zog gegen den Passauer Neuzugang in vier Sätzen alle Register seines großen Könnens. Für einen Paukenschlag sorgte anschließend Mannschaftskapitän Tomislav Kolarek gegen den indischen Nationalspieler Harmeet Desai (WRL: 106). Der Kroate schaffte es nach bravourösem Kampf in den Entscheidungssatz, wo er schon aussichtslos mit 3:7 zurücklag und einer Niederlage entgegensteuerte. Nach einminütiger Auszeit besann er sich aber noch einmal auf seine Stärken und spielte sich in einen wahren Rausch. Sieben Punkte in Folge bescherten ihm drei Matchbälle, wovon er Nummer Zwei zu nutzen wusste und damit, unter dem tosenden Applaus des Passauer Anhanges, den Ehrenpunkt für die Dreiflüssestädter errang.
Die Hessen kannten an diesem Nachmittag aber keine Gnade und spulten routiniert ihr Programm herunter. Der Weltranglistenzweite bei den Junioren, Lev Katsman, zeigte, warum er zu den größten europäischen Nachwuchshoffnungen gehört. Defensivkünstler Jakub Folwarski hatte sich an diesem Tag sehr viel vorgenommen und wollte seine beiden bitteren Einzelniederlagen in Köln vergessen machen. Der junge Russe hatte aber keinerlei Probleme mit dem variablen Abwehrspiel des Passauers und holte souverän den vierten Zähler für die Bad Homburger. In die gleiche Kerbe schlug auch der Pole Samuel Kulczycki gegen Ivan Juzbasic. Der wieselflinke 17-jährige, aktuell Weltranglistensechster bei den Junioren, musste gegen den routinierten Kroaten Schwerstarbeit verrichten. Mit seiner tollen Beinarbeit und überragenden Technik hielt er den Passauer erfolgreich in Schach, so dass den Hessen nur noch ein Punkt zum Sieg fehlte.
Das Spiel des Tages fand in der Spitzenbegegnung zwischen Grebnev und dem Inder Desai statt. Der junge Russe traf in den ersten beiden Sätzen nahezu jeden Ball und düpierte seinen Kontrahenten in Satz Zwei sogar mit 11:0. Desai drehte aber anschließend gewaltig auf und drängte den russischen Jungspund immer weiter von der Platte weg, so dass am Ende der Entscheidungssatz über Sieg oder Niederlage entscheiden musste. Mit stoischer Ruhe spulte der Inder sein Programm herunter und machte mit einem 14:12 im finalen Satz den 6:1-Erfolg der Gäste perfekt.
Die Hessen wurden ihrer Favoritenstellung vollauf gerecht und haben sich nach ihrem zweiten Spiel an die Tabellenspitze gesetzt. Die Fortunen liegen jetzt mit 3:3-Punkten auf dem vierten Tabellenplatz und können mit dem Saisonstart sehr zufrieden sein. In zwei Wochen soll wieder gepunktet werden. Auswärts steht aber mit dem TuS Celle ein schwerer Brocken bevor. Die Niedersachsen haben vor kurzem das Viertelfinale des Deutschland-Pokals erreicht und stehen derzeit auf dem 7. Tabellenplatz.
Pragmatisch zeigte sich der 1. Vorsitzende, Hans Wetzel: „Ich bin mit der spielerischen Leistung durchaus zufrieden. Viele knappe Sätze gingen leider an die Gäste. Auf so hohem Niveau muss man jede Chance konsequent nutzen, um Druck auf den Gegner aufzubauen. Hier waren uns die Gäste mit ihrer tollen Mannschaft heute einfach überlegen. Wir wollen in den nächsten Partien in Celle und daheim gegen Saarbrücken unsere Punkte holen. Bad Homburg war heute eine Nummer zu groß.“
Einzelergebnisse:
Grebnev/Kolarek – Katsman/Kulczycki 8:11, 8:11, 8:11; Folwarski/Juzbasic – Sipos/Hohmeier 11:9, 5:11, 9:11, 11:13; Grebnev – Sipos 4:11, 11:6, 2:11, 9:11; Kolarek – Desai 7:11, 11:6, 7:11; 11:5, 11:8; Juzbasic – Kulczycki 7:11, 13:15, 9:11; Folwarski – Katsman 9:11, 11:9, 6:11, 6:11; Grebnev – Desai 13:11, 11:0, 8:11, 3:11, 12:14
Manfred Hirschenauer