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Aktuelle Meldung vom 20.10.2020
Zu einer der hochklassigsten Partien in der knapp 70-jährigen Vereinsgeschichte des TTC Fortuna Passau kommt es am Freitag um 18 Uhr (neue Mehrfachturnhalle) im Viertelfinale der Deutschen Pokalmeisterschaften. Gegner wird dabei der amtierende deutsche Vizemeister TTF Liebherr Ochsenhausen sein. Die Schwaben sind hochdekoriert und gehören zu den Tischtennishochburgen Deutschlands (viermaliger Deutscher Meister und Pokalsieger, zweimaliger Europapokalsieger). In der Bundesliga sind sie bis jetzt verlustpunktfrei, haben aber zwei Partien weniger als die Konkurrenz gespielt, da es in ihrer Trainingsgruppe einen Corona-Fall gab. Schaut man sich die Aufstellung des mit internationalen Topstars gespickten Teams an, so ist die Favoritenrolle eindeutig verteilt.
Spitzenspieler der Gäste ist der brasilianische Nationalspieler Hugo Calderano (24). Er ist in der aktuellen Weltrangliste an Nummer 6 notiert und somit der derzeit am höchsten eingestufte Nichtasiate. Vor ihm liegen vier Chinesen und ein Japaner. Sein Spiel gehört mit zum Spektakulärsten was es derzeit im Welttischtennis gibt - sein Spezialschlag ist die beidhändige Rückhand, die er oftmals in ausweglosen Situationen einsetzt. Auch ein gewaltiges Kaliber fahren die Schwaben mit dem Franzosen Simon Gauzy (25) auf. Die Nr. 19 der Weltrangliste stand bei den letzten Weltmeisterschaften in Budapest in der Runde der letzten Acht und schied dabei nur knapp gegen den schwedischen Vize-Weltmeister Mattias Falck (Schweden) aus. Der Rechtshänder, Vize-Europameister im Jahr 2016, setzt auf kompromisslose Offensive. Gefürchtet sind vor allem seine Vorhand-Rallys, in denen er aufgrund seiner Schnelligkeit kaum zu bezwingen ist. Dritter im Bunde ist das große amerikanische Nachwuchstalent Kanak Jha (20). Der Shooting-Star der Tischtennisszene hat sich in jungen Jahren bereits auf Position 27 der Weltrangliste hochgearbeitet und gilt als die große amerikanische Hoffnung gegen die asiatische Tischtennis-Übermacht.
Bescheiden nimmt sich im Vergleich dazu die Aufstellung der Passauer Fortunen an. Der Engländer Tom Jarvis (20) wird derzeit an Position 170 der Weltrangliste geführt. Nach durchwachsenem Start hat er sich in den letzten Partien etwas gefangen. Wozu er in der Lage ist, hat er letztes Jahr auf Turnieren gegen den Polen Jakub Dyjas oder den Inder Kamal Achanta bewiesen. Beide sind Spieler aus den Top 30 der Weltrangliste, die er bezwingen konnte. Der ungarische Meister Csaba Andras ist zwar nur die Nr. 611 der Herren-Weltrangliste, bei den Junioren zählt der Weltranglisten-Neunte aber zu den größten Talenten weltweit. Der Österreicher Daniel Habesohn (Nr. 37 in der Weltrangliste) vom letzten Pokalgegner Post SV Mühlhausen weiß ein Lied davon zu singen, da der junge Ungar die Passauer mit seinem Sieg gegen ihn wieder in die Partie zurückbrachte. Auch er ist also an einem guten Tag in der Lage, Weltklassespieler gehörig in die Bredouille zu bringen. Wer der dritte Mann im Bunde sein wird, liegt in den Händen von Headcoach Davor Vejnovic. Der kroatische Mannschaftskapitän Tomislav Kolarek sowie der polnische Abwehrkünstler Jakub Folwarski sind derzeit ebenfalls in guter Form und können problemlos in das kalte Wasser geworfen werden.
Nach knapp einem Viertel der Spielzeit lief es bisher recht gut für die Passauer. In der aktuellen Zweitligatabelle liegen sie auf dem zweiten Tabellenrang und haben Tuchfühlung nach ganz oben aufgenommen. Die ganz dicken Brocken kommen aber noch mit den Grün-Weißen von Bad Hamm sowie den Kölner Geißböcken, die beide mächtig aufgerüstet haben. Im Pokal gilt es jetzt aber erst einmal, dem großen Favoriten aus Schwaben ein Bein zu stellen und eventuell für eine weitere Sensation zu sorgen. Es gilt auf jeden Fall noch immer das „alte“ Pokalgesetz: der Pokal hat seine eigenen Gesetze und in einem Spiel ist alles möglich. Die Fortunen gehen zuversichtlich und mit großer Vorfreude in die Partie. Es wird sicherlich bis zum letzten Punkt gefightet, um dem treuen Passauer Anhang wieder spektakulären Tischtennissport zu bieten. Eintrittskarten gibt es nur noch an der Tageskasse. Der Dauerkartenverkauf wurde aufgrund von Corona eingestellt.
Manfred Hirschenauer